Schade drum, aber mit mir nicht, Firefox!

Nun bin ich vor ein paar Wochen „Fremdgehen“ endlich wieder zum Firefox zurückgekehrt (wenn ich es mir recht überlege, bin ich erst „untreu“ geworden, als ich erstmals gelesen hatte, dass cliqz als Testpilot-Projekt an den Start gehen soll und es evtl. dann „fest“ in den Fuchs eingebaut werden soll) und nun DAS!

Da soll also (zunächst) einem Prozent der Nutzer das cliqz-Addon untergejubelt und bei der Gelegenheit auch gleich aktiviert werden. Gut, für mich wäre das eigentlich unproblematisch, denn wenn ich das weiß kann ich es ja auch sofort wieder wegputzen.
Aber es gibt sehr viele Nutzer, die das entweder nicht wissen, die Problematik des Addons und der Technologie nicht kennen und/oder es gar nicht merken, dass man es ihnen untergeschoben hat. Und auch sehr viele Nutzer haben keine Böcke, erst groß am Browser rumzuschrauben, bevor sie lossurfen.


Gerade diejenigen, die es gar nicht wirklich merken (vielleicht wundern sie sich nur, wie sich das Suchfeld bzw. das URL-Eingabefeld plötzlich verhält und werden es für ein neues Such-Feature halten) werden hier, ohne explizit darauf aufmerksam gemacht zu werden, zu „Versuchskaninchen“. Denn genau DAS ist ja Sinn und Zweck der Aktion. Es sollen Daten gesammelt werden, um cliqz vielleicht noch besser an die Surfgewohnheiten anzupassen… und nebenbei fallen auch Daten für den Index und die Werbemaschinerie an.

Was ich besonders widerlich finde, ist das Vorgehen der Browser-Macher. Sie hätten ja das Addon durchaus gleich „mitliefern“ und es per opt-in zur Aktivierung anbieten können, wobei sich mir auch nicht erschließt, weshalb nun ausgerechnet dieses umstrittene Addon denn zum „Lieferumfang“ gehören sollte. Wäre es der „Burner“, dann müsste man es nicht im FF „verstecken“, dann würden es diejenigen, die es unbedingt wollen und toll finden, selbst nachinstallieren. Mitliefern und opt-out ist jedenfalls nicht akzeptabel!

Neee… aber im Gegentum… das Dingen wird mit laufendem Motor mitgeschickt.

Dass dieses Addon „umstritten“ ist, ist auch nicht verwunderlich. Mag ja sein, dass der Datenschutz bei dem Burda-Wurmfortsatz tatsächlich ganz besonders groß geschrieben wird und dass die übertragenen Daten tatsächlich spätestens auf deren Server anonymisiert werden. Sie schreiben immer, man könne ja den Quelltext einsehen und erkennen, das da nix böses passiert… ok… im Prinzip richtig… aber was ich nicht sehen kann, ist was mit den Daten von mir dann TATSÄCHLICH passiert, wenn sie erst einmal auf deren Server liegen… dass da alles strikt anonymisiert wird muss ich ihnen schon glauben… und von Glauben halte ich nicht viel. Nicht ohne Grund bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil ich nix von „Glauben“ halte und manch „Glauben“ schon viel Leid über die Menschheit gebracht hat. Und ihr TÜV-Siegel können sie sich gerne dorthin stecken, wo die Sonne nie hinscheint. Wenn ich mein Auto zum TÜV bringe, bekomme ich eine Plakette… und wenn ich dann zu Hause einen Tuning-Chip reinkloppe, dann weiß das keiner, die Plakette prangt aber trotzdem auf dem Nummernschild.

Und nun mal zum Nutzen…

Die wollen also einen Suchindex aufbauen… der soll uns „unabhängig“ vom Gockel machen… also müsste er schon besser sein. Hmmm… das sind mächtig große Fußstapfen! Nun haben sie vielleicht ihren Wunderzaubersuchindex… und dann wollen sie mir bei der Suche genau DAS präsentieren, wonach ich wirklich suche. Wenn sie aber gar nicht wissen, wonach ich bisher gesucht habe, dann können sie mir doch nichts anbieten, was mir speziell weiter hilft. Sollte es also stimmen, dass meine Suchmuster, meine Verhaltensdaten (und andere Daten) nicht rückverfolgbar sind, dann wird mir da ein Ergebnis präsentiert, das irgendwo ein Cocktail aus den gesammelten Daten vieler unterschiedlicher Menschen ist. DAS trifft dann aber nicht unbedingt meinen „Geschmack“. Überdies wird durch diese Einschränkung (zugeschnittene Trefferlisten SIND IMMER eine Einschränkung) auch wieder eine Filterblase geschaffen… auch wenn sie größer ist. Und diese Filterblase liegt dann auch noch in den Händen von Burda… na herzlichen Dank!

Ich suche schon seit langem mit einer lokalen searX-Instanz und anderen Metasuchmaschinen. Mag sein, dass die mir dann nicht meine Wünsche von den Augen ablesen… aber ich bin durchaus in der Lage, mir aus den Trefferlisten das zu ziehen, was ich suche. Es heißt ja auch SUCH-Maschine… wüsste die Machine, was ich wirklich suche, müsste sie eher FINDE-Maschine heißen… heißt sie aber nicht… also ist sie auch keine Maschine die das FINDET, was ich suche, sondern eine Maschine, die mich selbst bei der SUCHE unterstützt. Mein Resthirn reicht aus, dann aus der Sammlung selbst das herauszuSUCHEN, was ich finden wollte. Danke… ich kann auch noch alleine gehen und brauche auch kein autonomes Fahrzeug!

Die Krönung ist aber, dass dieses Addon auch noch ein ganz besonderes Gimmick enthält… Man will mir nämlich irgendwann „Produktempfehlungen“… ja auf mich zugeschnittene Werbung präsentieren… ganz nach meinen vermeintlichen Vorlieben.
Auch das natürlich unter strengster Wahrung des Datenschutzes. Wie sie das machen wollen (nennt sich MyOffrz) haben sie auch erläutert:

Die komplette Überprüfung, inwieweit die Bedingungen zum Ausspielen eines Angebots erfüllt sind, erfolgt ebenfalls ausschließlich lokal auf dem Rechner.

Sämtliche Angebote werden vorab an alle verfügbaren Browser und -Erweiterungen geschickt, wo sie zunächst nur im Hintergrund auf Abruf warten. Erst wenn das Verhalten des Nutzers den zuvor definierten Auslöseregeln mit weiteren Bedingungen entspricht, wird das jeweilige Angebot aktiv und im passenden Moment im Browser angezeigt. Ein Auslöser kann beispielsweise die Eingabe einer Suchanfrage sein oder der Besuch einer bestimmten Webseite. Auf diese Weise stellt MyOffrz sicher, dass der Nutzer nur Angebote zu sehen bekommt, die ihn wirklich interessieren und ihm einen echten Mehrwert bieten. Und das alles, ohne seine Privatsphäre zu gefährden.

Quelle: cliqz/MyOffrz

Klingt ja erstmal „harmlos“… aber man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Zunächst schnüren sie mal ein Bündel von Werbung aus den (angeblich anonymisierten) Suchmustern der Nutzer. Dieser Eimer voll Gülle Werbung ist aber nicht auf irgendwem persönlich zugeschnitten. Egal! Jeder bekommt den Eimer ungewollt in den Rechner geschoben… also den ganzen bunten Strauß von Werbung (die ja ggf. auch ein Sicherheitsrisiko darstellen kann… dazu haben andere schon ausreichend geschrieben). Er wird einem nur nicht angezeigt… aber er liegt auf dem eigenen Rechner!

Sucht man nun fröhlich herum, so wird nach und nach ein Muster des Suchverhaltens auf dem eigenen Rechner angelegt (also alles schön datenschutzkonform) und irgendwann, wenn das Feature aktiviert ist und genügend Infos auf dem Rechner sind, wählt das Addon aus besagtem Eimer anlässlich einer neuen Suchanfrage eine passende Werbung und strickt die in die Treffer ein.

Abgesehen davon, dass ich KEINE WERBUNG SEHEN MÖCHTE und alles dafür tue, dass Werbung gar nicht erst zu mir durchdringt, ist das ja mal ne feine Idee. Der Nutzer wird selbst zum Teil der Werbewirtschaft und der Rechner des Nutzers teilweise eine Werbemaschine. Wozu denn Werbung auf dem eigenen Server vorhalten und über erschummelte Daten an die Nutzer verteilen, die dann vielleicht auch noch so einen bösen Blocker haben und die Werbung sie gar nicht erreicht. Nööö… der Dreck wird dem Nutzer mit dem Addon (gleich oder später… wohl eher später) geliefert, ohne dass er das merkt… und dann ist es der Rechner dieses Dödels, der dem Nutzer selbst die Werbung unterhilft.

Also wenn ich mir das alles anschaue, dann halte ich cliqz für einen widerlichen Haufen Dreck. Und der wird mir unter Umständen heimlich mit dem Browser Firefox auf den Rechner geklatscht und gleich aktiviert. Klar gehöre ich – hab ich ja schon erwähnt – zu den Nutzern, die das wissen und den Mist sofort wegputzen würden… aber das Verhalten der Macher von Firefox geht mir mal sowas von gegen den Strich. Ihr Ziele und Ideale haben sie damit (sie hatten ja schon einige „Ausrutscher“ in der Vergangenheit) endgültig verraten. Tja… dann eben nicht der Firefox.

Und das ist schade… denn wenn ich geschrieben habe, ich sei seit einiger Zeit wieder zum Fuchs zurückgekehrt, dann muss ich dazu sagen, dass es sich dabei um den Nightly handelt… also schon der mit dem neuen, ressourcenschonenden und leistungsstarken „Motor“. Damit macht das Surfen echt wieder richtig Spaß. Auch die wichtigsten Erweiterungen zur Keksverwaltung, uMatrix, HTTPS und einige andere laufen wieder oder ließen sich adäquat ersetzen… da passte also alles. Aber nach dem Ding… ist Schluss mit lustig!

Heute habe ich mir (nachdem ich mir den Waterfox angeschaut habe… ist auch ne nette Alternative… Palemoon ist nicht mein Ding, aber Teil meines Vier (nicht nur drei)-Browser-Prinzips… kommt mir aber echt zu altbacken) IceCat aus den Quellen compiliert (muss man aber nicht, gibts auch schon „vorgekocht“), mit allem bestückt, was ich brauche (und einiges bordeigenes abgeschaltet)… und ich muss sagen, dass der Browser echt auch nicht übel ist, selbst wenn er auf dem ESR-Stand 52.X ist. Muss ich halt ein wenig warten… der FF 59 soll ja wieder ein ESR werden… und ich hoffe dann auf die nächste „große“ Version auch bei IceCat.

Ich kann nur jedem raten, mal zu überlegen, ob es wirklich Firefox sein muss, selbst wenn man den Mist abschalten könnte. Eine Abstimmung mit den Füßen und auch entsprechende Kommentare an den einschlägigen Stellen können nicht verkehrt sein.

Und mit Waterfox oder IceCat… und wem es nix ausmacht auch mit Palemoon… ist man sehr ordentlich unterwegs.

Die sonstigen Alternativen (QupZilla/Falkon, Midori, Arora… etc… etc…) kommen zumindest für MICH nicht in Betracht… da fehlt mir mein uMatrix (JA, ich WILL alles unter Kontrolle haben… und nach kurzer Zeit hat man sich an das angeblich so umständliche Freischalten von Funktionen gewöhnt und es stört echt nicht mehr).

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